Was ist ein Produktkonfigurator? Arten, Beispiele und Einführung

Mensch und KI arbeiten gemeinsam an digitaler Produktkonfiguration

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Inhaltsverzeichnis

Ein Produktkonfigurator ist eine Software, mit der sich ein Produkt aus vorgegebenen Komponenten und Merkmalen zusammenstellen lässt, ohne dass dabei eine unzulässige Kombination entsteht. Er prüft im Hintergrund ein Regelwerk und liefert am Ende eine gültige Spezifikation, oft mit Typschlüssel und Stückliste. Für Hersteller mit vielen Varianten entscheidet er darüber, ob eine Anfrage in Minuten oder erst nach Rückfragen in der Konstruktion zu einem belastbaren Angebot wird.

Was ist ein Produktkonfigurator?

Den Kern bildet die Regellogik. Ein Formular nimmt jede Eingabe an. Ein Konfigurator dagegen weiß, dass ein bestimmter Motor eine stärkere Kühlung verlangt, dass sich zwei Optionen ausschließen und dass eine Kombination zwar baubar, aber nicht zugelassen ist. Das Informatiklexikon der Gesellschaft für Informatik nennt als eine Möglichkeit, ungültige Optionen mit einer Erklärung zu versehen und Vorschläge zur Auflösung des Konflikts anzubieten.

Im Sprachgebrauch kursieren viele Namen: Variantenkonfigurator, Vertriebskonfigurator, Angebotskonfigurator, 3D-Konfigurator. Gemeint ist meist dasselbe, die Umsetzung unterscheidet sich aber deutlich. Ein 3D-Konfigurator zeigt das Ergebnis, ein Variantenkonfigurator im ERP erzeugt die Fertigungsstückliste, und ein Vertriebskonfigurator führt durch die Auswahl.

Wie ein Produktkonfigurator funktioniert

Zwei Bausteine erzeugen das Ergebnis. Das Produktmodell beschreibt, woraus ein Produkt besteht: Merkmale mit Einheiten, erlaubte Werte, Baugruppen und Optionen. Das Regelwerk legt fest, was zusammenpasst. Typische Regeltypen sind Ausschlüsse („Option A nicht mit B“), Pflichten („bei Außeneinsatz immer mindestens Schutzart IP65“), Ableitungen (aus Leistung und Drehzahl folgt die Getriebegröße) und Vorbelegungen.

Das Ergebnis ist eine vollständige, widerspruchsfreie Konfiguration. Daraus entstehen je nach System ein Typschlüssel, eine Artikelnummer, eine Stückliste für das ERP oder ein Datensatz für das Angebot. Leistungsfähige Konfiguratoren müssen keine feste Reihenfolge der Eingaben erzwingen. Der Nutzer kann mit dem Maß beginnen oder mit der Farbe, das Regelwerk hält die Konfiguration in jedem Schritt gültig.

Produktkonfigurator Funktionsweise: vom Produktmodell über das Regelwerk zur gültigen Konfiguration

Welche Arten von Produktkonfiguratoren gibt es?

Drei Einteilungen sind gebräuchlich.

Nach Modellierungsansatz

Hier geht es darum, wie das Regelwerk technisch abgebildet wird. Das GI-Informatiklexikon unterscheidet regelbasierte, modellbasierte und fallbasierte Ansätze. Fallbasierte Systeme, die von ähnlichen früheren Konfigurationen ausgehen, sind in der Industrie selten. Constraint-basierte Systeme sind eine verbreitete Form des modellbasierten Ansatzes. In der Praxis begegnen Herstellern vor allem diese vier Formen.

AnsatzPrinzipPasst für
VariantentabelleAlle gültigen Kombinationen stehen in einer Tabellewenige Merkmale, überschaubarer Variantenraum
EntscheidungsbaumFragen in fester Reihenfolge führen zur VarianteBedarfsermittlung, einfache Sortimente
RegelbasiertWenn-dann-Regeln prüfen jede Eingabemittlere Komplexität, gut lesbare Regeln
Constraint-basiertBedingungen beschreiben, was gelten muss, die Engine findet gültige Lösungengroße Variantenräume, freie Reihenfolge

Variantentabellen stoßen schnell an ihre Grenzen. Schon sieben Merkmale mit je fünf Ausprägungen ergeben rechnerisch 78.125 Kombinationen. Regel- und constraint-basierte Systeme müssen diese Kombinationen nicht aufzählen. Der Unterschied liegt in der Richtung. Eine Wenn-dann-Regel wirkt von der Ursache zur Folge und hängt oft von der Reihenfolge der Eingaben ab. Ein Constraint beschreibt dagegen eine Bedingung, die in jede Richtung gilt: Wählt jemand zuerst das Getriebe, schränkt das System die passenden Motoren genauso ein wie umgekehrt.

Nach Einsatz

Ein Vertriebskonfigurator unterstützt Innen- und Außendienst bei Angeboten. Ein Web-Konfigurator lässt Kunden oder Händler selbst auswählen. Ein 3D-Konfigurator ergänzt die Visualisierung, und der Variantenkonfigurator im ERP, etwa in SAP, steuert die Fertigung. Viele Unternehmen nutzen mehrere davon, im besten Fall mit einem gemeinsamen Regelwerk.

Kosmetisch, funktional oder parametrisch

Bei kosmetischer Konfiguration ändern sich Farbe, Material oder Oberfläche, die Funktion bleibt gleich. Funktionale Konfiguration verändert Ausstattung und Leistung, zum Beispiel Antrieb oder Steuerung einer Maschine. Parametrisch heißt, dass Maße innerhalb von Grenzen frei wählbar sind, wie bei Fenstern oder Zuschnitten. Ab diesem Punkt muss der Konfigurator rechnen statt nur auswählen, und die Stückliste entsteht dynamisch.

Wann ein Produktkonfigurator nötig ist

Ob sich ein Konfigurator lohnt, hängt stark von der Auftragsart ab. Bei Pick-to-Order werden lagernde Komponenten nur zusammengestellt, ein Konfigurator ist dafür oft gar nicht nötig, solange keine Bundle- oder Zubehörregeln greifen. Ab Configure-to-Order und Assemble-to-Order entstehen echte Konfigurationsaufgaben, weil Komponenten voneinander abhängen. Bei Make-to-Order fertigt der Hersteller nach konkreten Kundenvorgaben, so beschreibt es das Gabler Wirtschaftslexikon. Bei Engineer-to-Order wird ein Teil jedes Auftrags neu konstruiert. Dort kann der Konfigurator den Standardanteil abdecken, die Sonderkonstruktion ersetzt er nicht. Eine ausführliche Tabelle dieser Klassen mit ihrer Eignung für Angebotsprozesse steht im Beitrag zu CPQ.

Beispiele aus B2B und B2C

Im B2C kennt man Konfiguratoren von Fahrzeugen, Küchen oder Fahrrädern. Der Kunde stellt selbst zusammen, und der Konfigurator verhindert unmögliche Kombinationen.

Im B2B steht die Angebotsfähigkeit im Vordergrund. Ein Hersteller von Schaltschränken stellt Schutzgeräte, Klemmen und Gehäuse zusammen, die elektrisch und räumlich zueinander passen müssen. Ein Fensterhersteller arbeitet parametrisch: Breite, Höhe, Öffnungsart und Verglasung bestimmen Beschläge und Profil. Welche Daten solche Hersteller zusätzlich für Planer liefern müssen, beschreibt der Beitrag zu PIM und BIM. In der Antriebstechnik leitet der Konfigurator aus Last, Drehzahl und Umgebung die passende Kombination aus Motor, Getriebe und Umrichter ab. Gemeinsam ist allen Fällen, dass das Wissen dafür früher in den Köpfen weniger Fachleute lag.

Vorteile, und wie man sie misst

Belastbare Zahlen sind selten, weil sich die Wirkung eines Konfigurators schwer von anderen Maßnahmen trennen lässt. Eine Untersuchung der Technischen Universität Dänemark (Hvam u. a., 2013) hat vier Unternehmen untersucht. Die Durchlaufzeit für Angebote und Spezifikationen sank dort um 94 bis 99 Prozent, der Aufwand um 50 bis 95 Prozent. In einem Fall verkürzte sich die Erstellung von Angeboten und Stücklisten für elektrische Schaltschränke von drei bis fünf Tagen auf zehn Minuten. Diese Effekte im Angebotsprozess ließen sich dem Konfigurator klar zuordnen. Bei übergreifenden Wirkungen wie Umsatz oder Kosten war das nach Angabe der Autoren nicht möglich.

Für das eigene Projekt zählt deshalb die eigene Messung. Sinnvolle Kennzahlen sind die Zeit von der Anfrage bis zur gültigen Spezifikation, der Anteil der Konfigurationen, die ohne Rückfrage in der Konstruktion auskommen, die Abbruchquote im Self-Service und der Aufwand, eine neue Option ins Regelwerk aufzunehmen. Wichtig ist, diese Werte vor dem Start zu erheben, sonst fehlt später der Vergleich.

Welche Daten ein Produktkonfigurator braucht

Der Konfigurator ist nur so gut wie das Produktmodell darunter. Merkmale müssen strukturiert mit Einheit und Werteliste vorliegen, nicht als Freitext. Baugruppen und Optionen brauchen eindeutige Kennungen, Bilder und Dokumente eine Zuordnung zur Variante. Wie sich Varianten strukturiert abbilden lassen, zeigt der Beitrag zum Variantenmanagement. Preise und Verfügbarkeiten kommen meist aus dem ERP.

Deshalb gehören diese Daten ins PIM. Wenn Merkmale, Medien und Texte dort gepflegt werden, greift der Konfigurator auf dieselben Daten zu wie Katalog und Shop. Sonst entstehen zwei Wahrheiten, und spätestens bei der ersten Änderung zeigt der Konfigurator etwas anderes als das Datenblatt.

Headless: ein Regelwerk für viele Kanäle

Viele Hersteller brauchen den Konfigurator an mehreren Stellen: im Shop, im Händlerportal, im Außendienst und im ERP. Ein Konfigurator mit fest verbauter Oberfläche muss in jedem Kanal neu eingebunden und oft doppelt gepflegt werden. Beim Headless-Ansatz liegen Regeln und Prüfung zentral in einer Konfigurations-Engine, und jede Oberfläche greift über eine Schnittstelle darauf zu. Im Markt heißt das meist Headless CPQ oder Headless Configurator. Der Preis für diese Freiheit ist, dass jede Oberfläche zu einem eigenen Projekt wird.

Headless-Produktkonfigurator: ein Regelwerk für Webshop, Händlerportal und Vertrieb

Dazu kommt der Schutz von Know-how. Regelwerke enthalten Konstruktionswissen, das ein Hersteller nicht offenlegen will. Werden die Regeln serverseitig ausgewertet, sieht der Browser nur das Ergebnis.

Konfigurator, CPQ und Guided Selling

Die Begriffe überschneiden sich, meinen aber Verschiedenes. Der Konfigurator sorgt für eine gültige Variante. CPQ ergänzt Preisfindung und Angebot, also das, was aus der Variante kaufmännisch folgt. Guided Selling setzt noch früher an und ermittelt über Fragen zum Einsatzzweck, welche Produktfamilie überhaupt passt. In vielen Projekten arbeiten alle drei zusammen, mit dem Konfigurator in der Mitte.

Was kostet ein Produktkonfigurator?

Einen Listenpreis gibt es kaum, weil die Kosten an wenigen Treibern hängen. Die Lizenz oder das Abonnement ist meist der kleinste Posten. Den größten Anteil hat häufig die Regelaufnahme: Fachleute aus Konstruktion und Vertrieb müssen ihr Wissen so beschreiben, dass es sich modellieren und testen lässt. Dazu kommen die Anbindung an ERP, PIM, CRM und Shop, bei Headless-Projekten die Oberflächen und schließlich die laufende Pflege, denn jede neue Produktreihe ändert das Regelwerk.

Typische Fehler bei der Einführung

Der häufigste Fehler beginnt vor der Software: Merkmale stehen als Freitext im ERP, und niemand hat entschieden, welche Werte zulässig sind. Ebenso teuer ist doppelte Regelpflege, wenn ERP-Variantenkonfiguration und Vertriebskonfigurator getrennt gepflegt werden und auseinanderlaufen. Riskant ist zudem der Start mit einem öffentlichen Self-Service-Konfigurator, bevor das Regelwerk intern erprobt ist. Und wer jeden Sonderwunsch ins Regelwerk zwingt, baut ein Modell, das niemand mehr versteht. Ohne Versionierung lässt sich außerdem eine Konfiguration von vor fünf Jahren nicht mehr nachvollziehen, wenn ein Ersatzteil bestellt wird. Die Verantwortung für das Modell sollte deshalb klar benannt sein, ähnlich wie die eines Data Stewards für Produktdaten.

Worauf Sie bei der Auswahl einer Produktkonfigurator-Software achten sollten

  • Kann die Fachseite Regeln selbst pflegen, ohne zu programmieren?
  • Lassen sich Regelwerke versionieren und mit Gültigkeitsdatum versehen?
  • Gibt es Testfälle, die nach jeder Regeländerung automatisch laufen?
  • Erklärt das System Konflikte so, dass Vertrieb und Kunden sie verstehen?
  • Nutzt der Konfigurator dasselbe Datenmodell wie PIM und ERP?
  • Lässt sich eine alte Konfiguration später exakt reproduzieren?

VIA/Configuration bei Viamedici

Viamedici bietet mit VIA/Configuration eine Produktkonfigurator-Software auf Basis von Regeln und deklarativen Modellen. Unzulässige Kombinationen werden sofort angezeigt, mit Erklärung und empfohlenen Alternativen, und die Eingabe folgt keiner starren Reihenfolge. Bestehende Regelwerke aus der SAP-Variantenkonfiguration lassen sich nutzen und erweitern. Das Frontend ist frei gestaltbar. VIA/Configuration gibt es eigenständig oder als Erweiterung der EPIM/5-Plattform und von VIA/PIM360°, dem PIM-System von Viamedici.

Was bedeutet HCA?

HCA ist eine Viamedici-Bezeichnung und kein allgemeiner Fachbegriff. Auf der Produktseite von VIA/Configuration steht die Abkürzung für High Configuration Application, also die Konfigurationsanwendung selbst, die eigenständig oder zusammen mit dem PIM betrieben wird. Im Markt verbreiteter sind Begriffe wie Produktkonfigurator, Variantenkonfigurator oder Headless Configurator.

Fazit

Ein Produktkonfigurator macht Variantenwissen für Vertrieb und Kunden nutzbar, ohne dass jede Anfrage durch die Konstruktion muss. Ob das gelingt, entscheidet sich weniger an der Oberfläche als am Produktmodell und am Regelwerk. Wer zuerst die Merkmale strukturiert und das Regelwerk intern erprobt, bevor Kunden es sehen, hat die besten Chancen, dass der Konfigurator auch nach der dritten Produktreihe noch stimmt.

Häufige Fragen zum Produktkonfigurator

Ein Produktkonfigurator ist eine Software, die ein Produkt aus vorgegebenen Komponenten und Merkmalen zusammenstellt und über ein Regelwerk sicherstellt, dass nur zulässige Kombinationen entstehen. Das Ergebnis ist eine gültige Spezifikation, oft mit Typschlüssel oder Stückliste.

Nach Modellierung unterscheidet man Variantentabellen, Entscheidungsbäume, regelbasierte und constraint-basierte Konfiguratoren. Nach Einsatz gibt es Vertriebs-, Web-, 3D- und ERP-Variantenkonfiguratoren.

Der Konfigurator sorgt für eine gültige Variante, CPQ ergänzt Preisfindung und Angebot. Viele CPQ-Lösungen enthalten einen Konfigurator als Kernbaustein.

Die Kosten hängen weniger an der Lizenz als an der Regelaufnahme, den Schnittstellen zu ERP, PIM und Shop, den Oberflächen und der laufenden Pflege des Regelwerks.

Strukturierte Merkmale mit Einheiten und Wertelisten, eindeutige Baugruppen und Optionen, zugeordnete Medien sowie Preise und Verfügbarkeiten, die meist aus dem ERP kommen.

Regeln und Prüfung liegen zentral in einer Konfigurations-Engine, und Shop, Portal oder Vertriebstool greifen über eine Schnittstelle darauf zu. So wird das Regelwerk nur einmal gepflegt.

HCA ist eine Viamedici-Bezeichnung. Auf der Produktseite von VIA/Configuration steht sie für High Configuration Application, also die Konfigurationsanwendung selbst.

Vor allem bei Configure-to-Order, Assemble-to-Order und Make-to-Order, wenn Komponenten voneinander abhängen und Angebote heute Rückfragen in der Konstruktion auslösen. Bei reinem Pick-to-Order ohne Zubehörregeln ist er oft nicht nötig.

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