PIM und BIM: Wie Hersteller BIM-fähige Produktdaten liefern

Abstract building information management

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Inhaltsverzeichnis

PIM und BIM greifen dort ineinander, wo Planer mit digitalen Gebäudemodellen arbeiten und dafür verlässliche Herstellerdaten brauchen. Building Information Modeling (BIM) ist die Methode, ein Bauwerk als digitales Modell zu planen und zu betreiben. Das PIM des Herstellers liefert die Produktinformationen, die in dieses Modell einfließen: Maße, Leistungswerte, Materialien, Klassifikationen. Architekten, TGA-Planer, Kalkulatoren und Händler brauchen dabei jeweils andere Formate. Die Daten sollten trotzdem aus einer einzigen Quelle kommen.

Was ist BIM, und was hat ein Hersteller damit zu tun?

BIM beschreibt eine Arbeitsweise, kein Softwareprodukt. Alle Beteiligten eines Bauprojekts arbeiten an einem gemeinsamen, digitalen Bauwerksmodell, das über den gesamten Lebenszyklus gepflegt wird. Die Normenreihe ISO 19650 beschreibt die Grundsätze dieses Informationsmanagements. Für den Austausch zwischen Programmen hat sich IFC durchgesetzt, der offene Standard ISO 16739-1, der 2024 zuletzt überarbeitet wurde.

Der Hersteller kommt ins Spiel, sobald ein Planer ein konkretes Produkt in sein Modell setzt, etwa eine Brandschutztür oder einen Heizkörper. Er braucht dafür ein BIM-Objekt mit korrekten Daten. Liefert der Hersteller keines, nimmt der Planer ein generisches Objekt oder das Produkt eines Wettbewerbers.

Geometrie und Information: Was ein BIM-Objekt enthält

Ein BIM-Objekt besteht aus zwei Teilen. Die Geometrie beschreibt Form und Abmessungen, die Information alles andere: Leistungswerte, Material, Brandschutzklasse, Wartungsintervalle, Klassifikation. In der Fachsprache heißen die beiden Detailgrade LOG und LOI.

Viele Hersteller überschätzen die Geometrie. Planer brauchen meist ein schlankes Modell, das den Bauraum korrekt abbildet, und keine fotorealistische Konstruktion. Bei Bauchemie oder Dämmstoffen spielt die Geometrie fast gar keine Rolle. Entscheidend ist die Information, und genau die liegt im PIM. Die Geometrie erstellt meist ein CAD-Team oder ein Dienstleister, die Merkmale sollten aber aus dem PIM kommen, damit sie mit Katalog, Shop und Datenblatt übereinstimmen.

Welche Informationstiefe ein Projekt verlangt, legen Auftraggeber in ihren Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) fest. Die Methode dafür beschreibt die Norm ISO 7817-1 als Level of Information Need, mit geometrischen und alphanumerischen Informationen sowie Dokumentation. Für Hersteller bedeutet das: Nicht jedes Projekt braucht jedes Merkmal, aber die wichtigsten Kennwerte sollten geprüft und belegt vorliegen. Ein BIM-Objekt mit Lücken in den zentralen Werten wird im Modell schnell durch ein generisches Objekt ersetzt.

Welche Formate wer braucht

Dieselbe Brandschutztür taucht in einem Bauprojekt an mehreren Stellen auf, und jede Stelle erwartet ein anderes Format.

ZielgruppeFormatTypische Inhalte
Architekt und PlanerIFC, native Revit- oder ArchiCAD-ObjekteBauraum, Leistungswerte, Klassifikation
TGA-PlanungVDI 3805 bzw. ISO 16757, ETIM MCParametrische Auslegungsdaten, Anschlüsse
Ausschreibung und KalkulationGAEB DA XMLAusschreibungstexte, Positionen
GroßhandelETIM über BMEcatKlassifizierte Merkmale, Artikel- und Preisdaten
Betrieb und Facility ManagementIFC, COBieWartung, Garantie, Ersatzteile

Für die Heiz-, Raumluft- und Sanitärtechnik regelt VDI 3805 den Produktdatenaustausch im Planungsprozess. Die ETIM Modelling Classes standardisieren parametrische Inhalte für BIM-Objekte und lassen sich laut ETIM mit IFC und bSDD kombinieren. Für Hersteller, die ihre Daten ohnehin ETIM-klassifiziert pflegen, ist das der kürzeste Weg zu BIM-Inhalten.

PIM und BIM: eine Datenquelle, fünf Formate für Planer, TGA, Ausschreibung, Handel und Betrieb

IFC allein reicht nicht

IFC liefert das Schema und allgemeine Merkmalsgruppen, legt aber nicht fest, welche herstellerspezifischen Merkmale ein Produkt einer bestimmten Klasse mitbringen muss. Dafür gibt es Datenvorlagen. ISO 23387, 2025 neu aufgelegt, beschreibt solche maschinenlesbaren Vorlagen, ISO 23386 die Regeln für die Definition der Merkmale. Das buildingSMART Data Dictionary (bSDD) stellt Merkmalsdefinitionen zentral bereit. Wichtig für Hersteller: Das bSDD enthält Definitionen, keine Produktdaten. Die konkreten Werte bleiben Aufgabe des Herstellers.

Für das PIM heißt das: Merkmale sollten mit Einheit, Prüfnorm und Bezug auf eine anerkannte Definition gepflegt werden. Ein Feld „Brandschutz“ mit freiem Text hilft niemandem. Ein Merkmal wie die Feuerwiderstandsklasse nach EN 13501-2, zum Beispiel EI2 30, lässt sich dagegen in die gängigen Formate überführen.

GAEB richtig einordnen

GAEB ist der Gemeinsame Ausschuss Elektronik im Bauwesen, das Format dazu heißt GAEB DA XML. Es dient dem Datenaustausch bei Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung. Aktuell ist die Version 3.3, eine Version 3.4 liegt als Beta vor.

Hersteller liefern dafür Ausschreibungstexte, also fertig formulierte Positionen, die Planer in ihre Leistungsverzeichnisse übernehmen. Diese Texte gehören ebenfalls ins PIM, weil sie auf denselben Merkmalen beruhen wie das BIM-Objekt. Öffentliche Aufträge werden dabei grundsätzlich produktneutral ausgeschrieben (§ 7 Abs. 2 VOB/A, § 31 Abs. 6 VgV). Ein Leitfabrikat ist nur ausnahmsweise und mit dem Zusatz „oder gleichwertig“ zulässig. Ein gut formulierter Herstellertext beschreibt deshalb die Leistung und verlässt sich nicht auf den Markennamen.

Der Workflow: vom ERP-Artikel zum BIM-Objekt

Die Artikelstammdaten kommen aus dem ERP. Im PIM werden sie um technische Merkmale, Texte und Klassifikationen ergänzt, etwa nach ETIM und mit Bezug auf die IFC-Klasse. Geometrie und 3D-Dateien liegen im Digital Asset Management oder beim CAD-Dienstleister. Aus beidem entsteht das BIM-Objekt, entweder über einen Objektgenerator oder über eine BIM-Plattform, die die Daten aus dem PIM übernimmt. Parallel liefert das PIM die Merkmale für die GAEB-Texte und erzeugt die ETIM-Lieferung an den Handel.

PIM und BIM Workflow: vom ERP-Artikel über das PIM zum BIM-Objekt

Der Nutzen zeigt sich bei Änderungen. Ändert sich eine Materialstärke oder wird eine Brandschutzklasse neu zertifiziert, wird der Wert einmal im PIM geändert. Wie schnell die Änderung überall ankommt, hängt davon ab, wie weit die Veröffentlichung auf Plattformen und im eigenen Downloadbereich automatisiert ist. Ohne diese Kette tauchen widersprüchliche Werte auf: im BIM-Objekt die alte Klasse, im Ausschreibungstext die neue.

Wo BIM-Objekte bereitgestellt werden

Planer suchen BIM-Objekte an mehreren Stellen. Internationale Plattformen wie BIMobject oder bimstore bündeln Inhalte vieler Hersteller und sind direkt in gängige CAD-Programme eingebunden. Für Produkte mit ETIM-Klassifikation gibt es zusätzlich die BIM-Angebote von ETIM Deutschland. Viele Hersteller bieten die Objekte außerdem im eigenen Downloadbereich an, oft zusammen mit Ausschreibungstexten und Datenblättern.

Jeder dieser Wege hat eigene Anforderungen an Format und Metadaten. Werden die Inhalte auf jeder Plattform von Hand gepflegt, laufen die Stände schnell auseinander. Sinnvoller ist es, alle Kanäle aus dem PIM zu beliefern und für jede Plattform festzulegen, welche Merkmale und Dateien sie bekommt.

Beispiel: Ein Hersteller von Brandschutztüren

Nehmen wir einen Hersteller, der Brandschutztüren in mehreren Feuerwiderstandsklassen, Größen und Oberflächen anbietet. Architekten wollen die Tür als IFC-Objekt im Modell, der Kalkulator einen GAEB-Ausschreibungstext, der Großhandel ETIM-klassifizierte Artikeldaten. In einem solchen Szenario pflegt oft jede Abteilung ihre eigene Fassung, und nach einer Neuzertifizierung steht die alte Klasse noch wochenlang im BIM-Objekt.

Mit dem PIM als gemeinsamer Quelle werden die technischen Werte an einer Stelle gepflegt. Alle Ausgaben entstehen daraus, und eine Änderung wird für sämtliche Kanäle gleichzeitig freigegeben.

Branchenunterschiede

Ein PIM für die Baubranche muss sehr unterschiedliche Sortimente abbilden. TGA-Hersteller brauchen parametrische Daten für die Auslegung, etwa Leistungskurven und Anschlussmaße nach VDI 3805. Baustoff- und Bauchemiehersteller liefern kaum Geometrie, dafür viele bauphysikalische Kennwerte. Hersteller von Fenstern, Türen oder Fassadenelementen haben es mit vielen Varianten zu tun. Dort stößt ein statisches BIM-Objekt schnell an Grenzen, und die Variantenregeln gehören in einen Produktkonfigurator, Preise und Angebote in ein CPQ-System mit Anbindung an das PIM.

Ist BIM in Deutschland Pflicht?

Für Hersteller nicht direkt. Die Masterpläne binden die Bauverwaltung des Bundes, Planer erreicht BIM über die AIA im Vertrag. Im Bundesfernstraßenbau ist BIM laut Bundesverkehrsministerium ab 2026 als Regelprozess vorgesehen. Für Bundesbauten sieht der 2021 veröffentlichte Masterplan BIM eine stufenweise Einführung bis 2027 vor, mit offenen Formaten wie IFC. Indirekt betrifft das die Hersteller trotzdem: Wer in solchen Projekten eingeplant werden will, braucht verwendbare BIM-Daten.

Dieselben Daten für Produktpass und Leistungserklärung

Die strukturierten Merkmale, die ein BIM-Objekt braucht, sind zu einem großen Teil dieselben, die auch in Leistungserklärung, Umweltproduktdeklaration und künftig im Digitalen Produktpass stehen. Auch die neue Bauproduktenverordnung (EU) 2024/3110 sieht einen Digitalen Produktpass für Bauprodukte vor, die Details folgen über delegierte Rechtsakte. Gut gepflegte Merkmale im PIM zahlen damit auf mehrere Pflichten gleichzeitig ein.

Grenzen und Aufwand

Ein PIM erzeugt keine Geometrie, und die Veröffentlichung auf BIM-Plattformen braucht eigene Anbindungen. Die Erstellung von BIM-Objekten ist aufwendig, und ob sie sich lohnt, hängt von Sortiment und Nachfrage ab. Sinnvoll ist es, mit den Produkten zu beginnen, die Planer am häufigsten anfragen oder herunterladen, und die Datenvorlagen dort zuerst festzulegen. Downloadzahlen der Plattformen und Rückfragen aus dem Vertrieb zeigen schnell, wo die Nachfrage liegt. Ein vollständiges Sortiment auf einmal zu modellieren ist selten wirtschaftlich.

Checkliste: BIM-fähige Produktdaten

  • Merkmale mit Einheit, Prüfnorm und Bezug auf eine anerkannte Definition
  • Klassifikation nach ETIM und Zuordnung zur IFC-Klasse
  • Geometrie in der Detailtiefe, die Planer tatsächlich brauchen
  • Ausschreibungstexte aus denselben Merkmalen erzeugt
  • Versionierung und Freigabe im PIM, bevor Daten veröffentlicht werden

Wie ein PIM-System diese Daten zentral führt und an die verschiedenen Kanäle ausspielt, zeigt die Produktseite von VIA/PIM360°. Branchenspezifische Anforderungen beschreibt die Seite Bau und Baudienstleistungen.

Fazit

PIM und BIM lösen unterschiedliche Aufgaben, die eng zusammenhängen. BIM braucht verlässliche Herstellerinformationen, das PIM liefert sie. Normgerecht gepflegte Merkmale sind die Grundlage für BIM-Objekte, Ausschreibungstexte, Handelsdaten und künftig den Produktpass. Der Aufwand liegt weniger in der Technik als im sauberen Datenmodell.

Häufige Fragen zu PIM und BIM

PIM ist die zentrale Verwaltung von Produktinformationen beim Hersteller. BIM ist eine Methode, Bauwerke als digitales Modell zu planen und zu betreiben. Das PIM liefert die Produktdaten, die in BIM-Objekte und damit in das Gebäudemodell einfließen.

Ein BIM-Objekt ist die digitale Darstellung eines Produkts für das Gebäudemodell. Es besteht aus Geometrie und Informationen wie Leistungswerten, Material und Klassifikation.

Nicht allein. IFC regelt den Austausch, legt aber nicht fest, welche Merkmale ein Produkt haben muss. Dafür braucht es Datenvorlagen nach ISO 23387 und klar definierte Merkmale, zum Beispiel über das bSDD.

VDI 3805 regelt den Produktdatenaustausch für Komponenten der Heiz-, Raumluft- und Sanitärtechnik im Planungsprozess. Sie wird in die internationale Norm ISO 16757 überführt.

GAEB DA XML ist das Format für Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung. Hersteller liefern darüber Ausschreibungstexte, die auf denselben Merkmalen beruhen sollten wie ihre BIM-Objekte.

Nicht direkt. Die Vorgaben gelten für öffentliche Auftraggeber und Planer, etwa im Bundesfernstraßenbau ab 2026. Hersteller brauchen BIM-Daten aber, um in solchen Projekten eingeplant zu werden.

Die ETIM Modelling Classes standardisieren parametrische Inhalte für BIM-Objekte. Hersteller, die ihre Produkte bereits ETIM-klassifiziert im PIM pflegen, können daraus BIM-Inhalte ableiten.

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